Dampflokomotiven: Baureihe 50

Dampflok 50 4073 

Allgemeines zur Dampflok-Baureihe 50.40

Im Jahre 1952 begannen im Institut für Schienenfahrzeuge unter Leitung von Dipl.Ing. Töpelmann die Entwicklungsarbeiten für die neue Personenzuglok Baureihe 23.10 sowie – als Ersatz für die Kriegslok Reihe 52 gedacht – eine leichte Güterzuglok Baureihe 50.40. Wie schon bei den Vorkriegsentwicklungen 23 und 50 stimmten auch bei den Neubauloks Kessel, Führerhaus und Tender überein.

Der VEB Lokomotivbau „Karl Marx“ in Potsdam-Babelsberg, entstanden nach dem 2. Weltkrieg aus dem Werk „Maschinenbau und Bahnbedarf AG vormals Orenstein & Koppel, lieferte 1956 zunächst mit den 50 4001 und 4002 zwei Baumusterlokomotiven, denen sich bis zum Jahre 1960 86 weitere, leicht veränderte Lokomotiven anschlossen, die allesamt bei den Reichsbahn-Direktionen Greifswald und Schwerin beheimatet waren.

War man mit dem Dampfkessel ausgesprochen zufrieden, zeigte sich sehr bald, dass der Rahmen – im Verhältnis zur abforderbaren Kesselleistung – zu schwach geraten war. Die schier unerschöpflichen Dampfreserven ermöglichten in der Praxis im Flachland die Traktion von bis zu 3000 t schweren Zügen, was in der Folge aber zahlreiche Rahmenbrüche verursachte. Ein Großteil der Maschinen schied aus dem aktiven Betriebsdienst deshalb schon nach rund 15jährigem Einsatz aus und mußte sich – aufgrund der noch gut erhaltenen Dampfkessel – das Gnadenbrot als Heizlokomotive verdienen.

Dampflokomotive 50 4073

50 4073 wurde mit der Fabriknummer 124 073 am 21. Oktober 1960 abgenommen und dem Bahnbetriebswerk (Bw) Neubrandenburg zugeteilt. Ab 6.7.1967 gehörte sie zum Bw Wittenberge, wo die letzten Planleistungen bis zum Fahrplanwechsel im Herbst 1977 gefahren wurden. Danach stand die Lok zumeist betriebsfähig kalt abgestellt, leistete im Sommer 1978 aber noch an einzelnen Tagen einige Zugdienste. In den Wintermonaten der Jahre 1978 bis 1979 war die Maschine nur noch als Heizlok eingesetzt.

Zum 30.6.1980 wurde die Lok trotz Rahmenrisses zum Bw Neuruppin umgesetzt, welches aber nur Zwischenstation werden sollte: Im Herbst wurde die Lok an den VEB Stärkefabrik Loitz als Dampfspender verkauft, wo die Maschine in der Folge damit beschäftigt war, Kartoffeln einzudampfen. Im Januar 1984 erfolgte die Umsetzung zum Landwirtschaftlichen Instandsetzungswerk (LIW) in Demmin, wo 50 4073 zusammen mit der aus Karl-Marx-Stadt (heute wieder „Chemnitz“) angereisten Altbau-Lok 50 955 als Dampfspender diente.

Im Jahre 1990 war eine Delegation des Bayerischen Eisenbahnmuseums in der ex-DDR auf der Suche nach den letzten Exemplaren dieser Baureihe – erstaunlicherweise hatte es zu DDR-Zeiten keine Lok in die offizielle Liste der erhaltungswürdigen Lokomotiven geschafft. Und in der Tat: 50 4073 sollte das letzte „überlebende“ Exemplar dieser Gattung werden. Beide Lokomotiven (50 4073 und 50 955) wurden durch die BayernBahn, das Eisenbahnunternehmen des Bayerischen Eisenbahnmuseums in Nördlingen, erworben, zum Transport zerlegt und zunächst nach Nördlingen und Chemnitz gebracht. Nach Auflösung des Bw Chemnitz-Hilbersdorf (...heute befindet sich hier das „Sächsische Eisenbahnmuseum“), wo zunächst das Fahrwerk der „4073“ komplettiert und aufgearbeitet werden sollte (noch während der laufenden Instandsetzungsplanung wurde die Dienststelle durch die DB geschlossen), ging die Reise weiter ins Dampflokwerk Meiningen.

Dort begann dann im Jahre 1994 die Aufarbeitung, die Mitte 2008 nach zahlreichen Etappen und großen Schwierigkeiten endlich abgeschlossen werden kann. Am 10. Oktober 2008 traf die Maschine im Schlepp einer Diesellok nachmittags in Nördlingen ein und wurde nach schneller Komplettierung der Front sogleich dem interessierten Publikum anlässlich der „Rieser Herbstdampftage“ präsentiert.

Restliche konservatorische Arbeiten werden aus Kostengründen schließlich in ihrer neuen Heimat, dem Eisenbahnmuseum Nördlingen durchgeführt. Dort sind mittlerweile mit den Baureihen 50 alt, 50.35, 50.40, 50.50 sowie die Kriegsvarianten 52 alt, 52 GR und 52.80 – zum Teil betriebsfähig – alle „Verwandten“ versammelt..

Die 50 4073 ist die letztgebaute, erhaltene Staatsbahn-Dampflokomotive in Deutschland und hat damit eine gewichtige Stellung in der Fahrzeugsammlung des Bayerischen Eisenbahnmuseums zu Nördlingen inne. Text:  A. Braun.

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